Ich als Manager…

Ich bin seit über 20 Jahren Leiter von berufsbildenden höheren Schulen…

Ich habe eine Grundüberzeugung, die mein ganzes Leben und auch meine Arbeit als Schulleiter, der ich mit Leib und Seele sowie großer Freude nachkomme, bestimmt.

Diese Überzeugung basiert auf zwei Grundthesen:

Es gibt so etwas wie „Komplexe Systeme“, die anders sind als „einfache Systeme“, in denen ein Ergebnis oder ein Verhalten in unmittelbarem Zusammenhang mit einem Einfluss auf das System steht.

Wetter ist ein komplexes System. Chemische aber auch biologische Phänomen wurden als komplexe Systeme identifiziert. In einem komplexen System steht ein Verhalten in keinem unmittelbaren Zusammenhang zu einem Einfluss, da auch der interne Zustand [auf eigenen Körper etc. zeigen] des Systems Einfluss auf das Verhalten hat und darüber hinaus eine Rückkoppelung im System dafür sorgt, dass sich der interne Zustand permanent ändert. Nicht nur alle Lebewesen sind komplexe Systeme, sondern gleichermaßen auch  die Interaktion zwischen den Lebewesen.

Chaos bedeutet in einem komplexen System nicht die Abwesenheit von Regeln, also Regellosigkeit, sondern das unberechenbare und somit unvorhersehbare Verhalten solcher Systeme aufgrund deren immenser Komplexität. Chaos ist damit etwas unabdingbares für komplexe Systeme und da wir alle komplexe Systeme sind, muss es etwas positives sein.

Daraus ergibt sich für mich folgende Grundüberzeugung:

Schule ist ein komplexes und damit im zuvor genannten Sinn chaotisches System. Eine Schule ist beeinflussbar in ihrer Entwicklung, sicherlich aber nicht im strengen Sinn im Bild eines Reiz-Reaktions-Schemas oder eines Input-Output-Modells steuerbar. Eines kommt nämlich noch ein faszinierender Nebeneffekt dazu: Nur aus chaotischem Verhalten, das aus einem Verhalten, das, weil es so komplex ist, eben nicht berechenbar geschweige denn vorhersehbar ist, entsteht Innovationsfähigkeit.

Das bedeutet für mich im Arbeitsalltag, dass ich davon überzeugt bin, dass Schule ein System ist, das „chaotisches Führen“  erforderlich macht, weil eben im positiven Sinne chaotisches Verhalten überwiegt. Die Beeinflussung der Entwicklung einer Schule erfordert für mich als chaotischem Führer folgende Grundregeln:

Zu einer bestimmten Wirkung gibt es niemals nur eindeutig zuordenbare Ursachen.
Die Auswirkungen einer Beeinflussung des Systems ist nicht berechenbar und nicht 100%-ig vorhersehbar.
Reaktionen erfolgen zeitverzögert, da das System als ganzes reagiert und, bevor es reagiert, schon einen internen Prozess durchlaufen hat.
Es erfordert Umsicht und Behutsamkeit, denn Schule ist nicht direkt steuerbar, sie ist aber in der Entwicklung beeinflussbar.

Aber genau dann, wenn diese Grundregeln eingehalten werden, entsteht Innovation.

Damit komme ich zu einem Ihnen sicherlich bekannten Zitat von Antoine de Saint-Éxupery, dass das, was ich jetzt so streng logisch-analytisch dargestellt habe, wesentlich bildlicher zum Ausdruck bringt und trotzdem alles, ja sogar noch viel mehr enthält:

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen, um Holz zu beschaffen und Werkzeuge vorzubereiten oder die Arbeit einzuteilen und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer.“

Möglicherweise scheint Ihnen sicherlich rückblickend alles, was ich gesagt habe, hochtrabendes Geplänkel zu sein, halt „very sophisticated“ und eher vom Hirn als vom Herz bestimmt. Ich gebe Ihnen recht:

Worum´s letztendlich geht, ist die Liebe zum Beruf, die Liebe zur Schule, zu den Lehrer:innen und Schüler:innen, die die Schule sind und damit die Liebe zum Menschen und der Glaube an ihn, das ernst nehmen und wachsen lassen dessen, was in jeder Person angelegt ist.